Reisen verändert…
23.06.2010 15:50 Uhr
Wann und vor allem wo bist du das geworden, was du heute bist?
von linassun
Du bist ein anderer Mensch geworden. Irgendwo, zwischen Bangkok, Amsterdam und Kairo. Zwischen dem OP in Tansania und Bungee springen in Neuseeland bist du du geworden. Zwischen den Kontinenten und den verschiedensten Kulturen, zwischen den größten Widersprüchen und den größten Glücksgefühlen, bist du das geworden, was du heute bist.
Die Träume deiner Freunde kannst du nicht verstehen. Du versuchst, sie zu respektieren, zu akzeptieren. Versuchst, sie zu wert schätzen. Aber sie sind dir einfach unverständlich. Ein Reihenhaus mit Garten? Lieber nicht. Ein sicherer Job? Nein, danke.
Du wirst du durch Abgrenzung. Durch Pläne schmieden und Träume leben. Nie fühlt man sich lebendiger, nie erfährt man mehr über seine eigenen Grenzen, seinen eigenen Geschmack, seine eigenen Stärken und Schwächen als beim Reisen.
Beim Reisen, nicht beim Verreisen. Reisen ist gesund. Reisen bildet. Reisen macht glücklich. Und abhängig. Reisen ist eine Droge. Bist du ihr erst einmal verfallen, willst du immer mehr. Die Leidenschaft in deinem Herzen brennt. Und wird jeden Tag ein kleines bisschen unerträglicher.
Du findest dich selbst. Du merkst, dass alles irgendwie immer geht. Dass du dir selbst vertrauen kannst. Du wirst gelassener. Du kannst inzwischen überall schlafen. Am Flughafen in Dubai und im Flugzeug nach China. Im Nachtzug quer durch Indien, mal im Schlafwagen, mal die ganze Nacht sitzend. In Nachtbussen, die dich morgens um halb drei an irgendeinem thailändischen Hafen raus lassen und du merkst, dass die Fähre auf die nächste Insel erst um sieben fährt. In der Ecke eines leeren Raumes der Hafenkneipe. Eingewickelt in Kangas unter einem Tisch auf der Nachtfähre von Sansibar nach Daressalam.
Alles, was du brauchst, passt in deinen Rucksack. Und auch das ist dir eigentlich noch zu viel. Alles, was für ein ganzes Leben wichtig ist, kannst du auf deinem Rücken durch die ganze Welt tragen. Das fasziniert dich. Du lernst, dein Herz nicht an Dinge zu hängen. Und auch nicht an Menschen. Du hängst dein Herz an Momente. Momente vollkommenen Glücks.
Du lernst neue Menschen kennen. Menschen, die dich faszinieren. Mit denen du nächtelang reden kannst, obwohl du sie erst vor zwei Stunden an irgendeinem Busbahnhof getroffen hast. Die von der gleichen Energie aus Leidenschaft, Freiheit, Sinnsuche und Abenteuer getrieben werden. Menschen, denen du dich unglaublich verbunden fühlst- wenn es auch nur für ein paar Stunden ist.
Dein Reisepass ist dein größter Schatz. Dein Ticket in die Freiheit. Der Zeuge deines Weges.
In zwei Monaten in Indien hast du mehr erlebt, mehr gesehen, als Andere in ihrem ganzen Leben. Und nie zuvor warst du in so einem dauerhaften Euphorie-Zustand.
Beim Reisen bist du glücklich. Beim Reisen bist du du selbst. Manche sagen, du seist verrückt. Das, was du da tust, sei gefährlich. Blond, weiblich, alleine in den entlegensten Winkeln der Erde. Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber ich würde mein Leben nicht anders haben wollen. Denn auch, wenn mir eines Tages etwas passiert? Oh, god, how I have lived!!!
von linassun
